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Ist Photovoltaik wirtschaftlich?

Wirtschaftlichkeit***Dies ist ein Gastbeitrag von Frank Rettler von A&E Energietechnik GmbH. Er beschreibt in seinem Artikel, ob Photovoltaik wirtschaftlich ist oder nicht.***

Guten Tag, Lydia hat mich gebeten einen Gastbeitrag zu der wirtschaftlichen Betrachtung einer Photovoltaikanlage zu schreiben. Dieser Bitte komme ich sehr gerne nach.

In der Tat ist nach wie vor die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage mehr als gegeben und noch immer sind hohe Renditen möglich.

Heutzutage betrachtet man die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage völlig anders, als zu den Zeiten des reinen Stromverkaufs. Heute steht der Eigennutzen des erzeugten Solarstroms im Vordergrund der Betrachtung.

Um für einen Betreiber eine wirtschaftliche Photovoltaikanlage zu projektieren ist es nötig den jährlichen Energiebedarf zu kennen.

Nehmen wir einmal an, es handelt sich um ein Einfamilienhaus mit 4 Bewohnern. Der jährliche Strombedarf liegt bei 4000 kWh.

Nun muss bei der Projektierung einer Photovoltaikanlage darauf geachtet werden, dass der Betreiber mindestens etwa 20-30 % des erzeugten Solarstroms selbst nutzen kann um die Wirtschaftlichkeit so zu berechnen, wie diese zu Zeiten des reinen Verkaufs gegeben war.

Der überschüssig produzierte Sonnenstrom wird nach wie vor zu einem festen Vergütungssatz nach dem EEG Gesetz über 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr verkauft.

Aus dieser Mischung von Einsparung im Strombezug und dem Verkauf des erzeugten Solarstroms ist eine Photovoltaikanlage genauso wirtschaftlich wie eh und je.

Um diese Wirtschaftlichkeit zu erreichen, setzt man zur Berechnung der Photovoltaikanlagengröße den Faktor 1,5 mal den Stromverbrauch im Jahr an.

Also in diesem Fall 4000kWh * 1,5 = 6000Wp bzw. 6 kWp.

Ein weiter Vorteil dieser Photovoltaikanlagengröße liegt darin, dass später ein Sonnenstromspeicher problemlos nachgerüstet werden kann.

Jetzt betrachte ich mal einige Zahlen, die Graphiken verdeutlichen diese noch.

Annahme Finanzierung: 25 % Eigene Mittel, 75 % KfW Kredit, 3 % effektiv

  • Anlagengröße: 6 kWp
  • Preis pro kWp: 1.400,00 € zzgl. MwSt
  • Anlagengesamtpreis: 8.400,00 € zzgl. MwSt
  • Anlagenertrag in kWh/kWp Leistung: 900
  • Gesamtanlagenertrag: 5400 kWh
  • Ca. 30 % Eigennutzung: ca. 1600 kWh
  • Bezugspreis pro kWh: 28 Eurocent
  • Einsparung im ersten Gesamtjahr: ca. 424 €
  • Aktuelle Vergütung (Stand März 2015): 12,5 Eurocent
  • EEG Vergütung im ersten vollen Jahr: 474,5 €
  • Gesamtertrag im ersten vollen Jahr: ca. 898,5 €

Wirtschaftlichkeit1Die folgenden Graphiken zeigen die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage auf.

Wirtschaftlichkeit 2Legt man diese jährlich mit an, amortisiert sich die Anlage noch deutlich schneller. In den abgebildeten Graphiken ist eine Strompreissteigerung von 3 % im ersten Jahr, danach eine Anpassung auf 2 % bis zum 15. Jahr und ab dem 16. Jahr eine Anpassung auf minus 1 % hinterlegt.

Eine Sicherheitsreserve von 0,25 % per anno ist ebenso eingerechnet.

Die Finanzierung der Anlage ist angenommen mit 25 % eigenen Mitteln und 75 % fremden Mitteln.

Die Anlage erwirtschaftet jährlich mehr als die Kosten betragen (Darlehn, Versicherung, Rücklagen).

Nach 25 Jahren wird einen Überschuss von ca. 17.500,00 € erwirtschaftet. Eingesetzt wurden 2.100,00 € eigene Mittel. Die Wirtschaftlichkeit ist also mehr als gegeben. Schauen Sie sich selbst die Graphiken an.

Eine kWh Solarstrom kosten in diesem Beispiel 9,6 Eurocent. Wenn die Anlage komplett bezahlt ist, kostet eine kWh Sonnenstrom „null“ Eurocent.

Wirtschaftlichkeit 3Passt man als Anlagenbetreiber nun noch sein Verbrauchsverhalten dem Produktionsverhalten an steigt die Wirtschaftlichkeit. (Die Berechnung basiert auf Standartlastprofilen ohne Anpassung.)

Eine Anpassung ist z.B. Spülmaschine, Waschmaschine etc. nur noch zu betreiben wenn die Anlage Strom produziert.

Weiter Maßnahmen zur Eigenverbrauchssteigerung sind Verbräuche die bisher in den Abendstunden erfolgen möglichst in die Tagesstunden zu verlegen. Beispiele sind Geräte über Zeitschaltuhren zu betreiben.

Dies ist eine Beispielberechnung. Die Werte sind von Fall zu Fall etwas unterschiedlich sowohl bei den Kosten als auch bei den Erträgen. Das Beispiel dient der Orientierung und Verdeutlichung, dass Photovoltaikanlagen noch immer sehr wirtschaftlich zu betreiben sind, sofern diese auf den jeweiligen Bedarf ausgelegt sind. Umso mehr Sonnenstrom ein Betreiber selbst nutzt desto wirtschaftlicher wird eine Photovoltaikanlage.

Sehr wichtig um diese Zahlen erreichen zu können ist, dass ausschließlich hochwertige Komponenten verbaut werden die eine lange Lebenszeit garantieren. Auch bei einer Photovoltaikanlage gilt, wer billig kauft, kauft zweimal. Zu den Angebotsfallen hat Lydia bereits einen sehr guten Beitrag geschrieben.

Ich hoffe ich habe verständlich die immer noch gegebene Wirtschaftlichkeit darstellen können.

Als positiver „Nebeneffekt“ ist der selbst produzierte Strom umweltfreundlich. Es muss kein Dorf dafür weichen und eine gefährliche Strahlung entsteht ebenso wenig.

Die Wirtschaftlichkeit trifft für Privat und Gewerbe gleichermaßen zu. Lediglich die Anlagengrößen schwanken.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ist die Rechnung nachvollziehbar?

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Ich stehe mit meinem Blog noch ganz am Anfang und muss noch viel lernen. Deshalb freue ich mich über jedes Feedback. Jeder Kommentar und jede E-Mail wird von mir beantwortet. Fragen, Anregungen, Verbesserungen oder ein nettes Lob, sind bei mir immer sehr willkommen.

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Autor: Lydia

Leidenschaftliche Solartechnikerin, die helfen möchte Photovoltaik einfach zu verstehen. Denn energiewenden ist auch auf dem eigenen Hausdach möglich.

6 Kommentare

  1. Guten Tag,
    zu erst einmal möchte ich anmerken, dass ich der Azubi und Stiefsohn von Frank Rettler bin (ich schreibe dies allerdings unaufgefordert und mit meiner eigenen Meinung. Mit anderen Worten, er weiß nicht mal das ich hierzu ein Feedback gebe).

    Ich möchte nur mal ein Lob meinerseits an den Blog abgeben. Da Frank auch immer mal wieder Dinge an mich weiterleitet hatte ich schon oft die Möglichkeit einige Beiträge zu lesen und bin echt positiv überrascht.

    Da der Blog ja nicht nur unsere Ansichtspunkte und Interessen vertritt und teilt, sondern auch fachlich und auf argumentativer Basis gut aufgestellt ist.

    Auch Ich werde versuchen diese Seite auch privat zu teilen und an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Denn das größte Problem ist leider das un- bzw. gefährliche halbwissen, was viele Leute haben.

    Ich denke, dass dieser Beitrag mit Beispielen der Wirtschaftlichkeitsberechnung auch viele Leute interessiert und anspricht. Die Berechnung schwarz auf weiß ist schließlich nicht weg zu diskutieren.

    Wie gesagt, großes Lob für diesen Blog und bitte so weiter machen. Ich hoffe, dass auf diesem Weg noch viele unserer Mitbürger aufmerksam werden und was gutes für sich selbst, aber auch die Umwelt tun.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Hoffe

    • Hallo Jan,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, wenn der Blog gefällt und auch verstanden wird, was ich damit erreichen bzw. vermitteln möchte 🙂
      Photovoltaik ist sicher nicht ganz einfach zu verstehen, aber auch nicht sooo kompliziert.
      Danke fürs weitersagen und teilen.

      Liebe Grüße
      Lydia

  2. Hallo Zusammen

    Interessant mal so eine Rechnung zu sehen. Jedoch finde die Rechnung zumindest im 1. Teil nicht nachvollziehbar.
    Zitat:
    Um diese Wirtschaftlichkeit zu erreichen, setzt man zur Berechnung der Photovoltaikanlagengröße den Faktor 1,5 mal den Stromverbrauch im Jahr an.

    Also in diesem Fall 4000kWh * 1,5 = 6000Wp bzw. 6 kWp.

    4000 kWh * 1,5 = 6000 kWh. Da wird der Faktor 1000 unterschlagen, was die Anlagengröße schonmal deutlich kleiner macht. Woher stammt dieser Faktor 1,5 und wie setzt sich dieser zusammen?

    Grüße Carlo

    • Hallo Carlo,

      Zitat:
      Nun muss bei der Projektierung einer Photovoltaikanlage darauf geachtet werden, dass der Betreiber mindestens etwa 20-30 % des erzeugten Solarstroms selbst nutzen kann um die Wirtschaftlichkeit so zu berechnen, wie diese zu Zeiten des reinen Verkaufs gegeben war.

      Der überschüssig produzierte Sonnenstrom wird nach wie vor zu einem festen Vergütungssatz nach dem EEG Gesetz über 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr verkauft.

      Aus dieser Mischung von Einsparung im Strombezug und dem Verkauf des erzeugten Solarstroms ist eine Photovoltaikanlage genauso wirtschaftlich wie eh und je.

      Die Betrachtung ist darauf bezogen, das man Prozentual gesehen die selben Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital bekommt. Daher ist es eine Mischung aus Verkauf und Eigennutzung. Somit setzt man (wie in diesem Beispiel) den Faktor 1,5 des jährlichen Stromverbrauchs des Objekts an. Der Faktor 1000 ist für mich gerade nicht schlüssig. Klar steigt dabei der Eigenverbrauch im Bezug auf die erzeugte Strommenge. Ändert aber nix am Gesamtverbrauch. Außerdem wird es beim Faktor 1000 bzw. 1 schwierig einen Speicher nachzurüsten der ausreichend Kapazität hat.

      Die Berechnung ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wie ja nachzulesen ist, ist dies eine Anlagengröße mit welcher die Wirtschaftlichkeit wie eh un je erreicht wird und ebenso die Größe ausreicht ggf. einen Speicher nachzurüsten.

      Der Faktor 1,5 stammt aus langjährigen Erfahrungswerten von errichteten Anlagen. Wenn man so will aus einem Feldtest.

      Grüße Frank

  3. Moin,
    was fehlt ist der Hinweis auf
    1. Der selbstverbrauchte Strom muss beim Finanzamt versteuert werden, Stichwort: Betriebsentnahme. Es wird Umsatzsteuer auf den verkauften und selbstverbrauchten Strom fällig.
    2. Ab Inbetriebnahme bin ich „Selbstständig“ und muss eine „Umsatzsteuererklärung“, samt EÜR (Einnahmen-Überschuß-Rechnung) jährlich vorlegen. Wer das nicht selber machen will, muss zum Steuerberater (Steuerhilfevereine dürfen keine Selbstständigen beraten). Kosten: ca. 350 € pro Jahr (natürlich incl. Einkommenssteuer)
    3. Wechselrichter halten meistens keine 20 Jahre. Zumindest sollte Geld für einen Ersatz zurück gelegt werden. Kosten: ca. 1500 € (incl. Montage)

  4. Moin UT,

    diese von Ihnen richtig angebrachten Punkte sind nicht berücksichtigt, da diese Punkte nicht in jedem Fall zutreffen. Diese Betrachtung hätte zuweit geführt und wäre fast schon Steuerberatertätigkeit, was ich gar nicht darf. Die Umsatzsteuer auf die Verkauften kWh muss auch lediglich weitergeleitet werden. Die angegebenen Vergütung ist der Nettobetrag.
    Kosten für Wechselrichter sind in den „Rücklage Wartung“ kosten enthalten.
    Außerdem sind die von uns eingesetzten Wechselrichter modular aufgebaut, was bedeutet das diese i.d.R reparabel sind. Das liegen die Kosten bei max. 250 €.

    Gruß Frank

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