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Das Moduldatenblatt richtig lesen und verstehen

Modul_DatenblattHübsche Bildchen und viele Zahlen. Komische Symbole und Einheiten. Nicht schlüssige Diagramme. Putzige Zertifikate. Hast du dir mal ein Moduldatenblatt genau angesehen? Kommt dir das auch alles so spanisch vor? Mir ging es lange genauso. Erst nach und nach verstand ich die Zahlen. Als Sonnenkraftwerk-Besitzer musst du die Werte nicht hunderprozentig deuten können, aber ein bisschen verstehen sollte sie doch jeder. In diesem Post erkläre ich die einzelnen Daten und wie wichtig diese Infos sind.

In fast jedem Angebot und Anlagedokumentation ist es zu finden, das Moduldatenblatt. Es zeigt alle wichtigen Informationen und relevanten Messdaten des Solarmoduls auf. Schaut man es sich genauer ist, ist es erst einmal verwirrend. Stück für Stück aufgegliedert ist das Datenblatt gar nicht mehr so schlimm.

Allgemeiner Aufbau

ModuldatenblattAuf der Vorderseite eines jeden Moduldatenblattes ist der Name des Moduls zu finden. Gut zu wissen welche Module von welchem Hersteller auf dem eigenen Hausdach montiert wurden oder noch werden. Die Modulbezeichnung beginnt meist mit dem Namen des Herstellers, dann folgt die Modulkategorie und anschließend die Wattzahl. Hier ein paar Beispiele: Q Cells (Modulmarke von Hanwha Q Cells) Q.Pro (Produktlinie für Polykristaline Module) 250 (Watt), LG Mono X S1C290, BenQ PM245P00 255 usw. Der Fantasie der Hersteller sind keine Grenzen gesetzt. Die restliche Seite umfasst oftmals ein Bild des Moduls und die Vorteile des vorgestellten Moduls, z. B. durch bessere Glastechnologie, weniger Reflexion und dadurch mehr Leistung oder Ertragssicherheit durch Anti PID Technologie usw. Sollte dein Solarteur des Vertrauens dir mehrere Module anbieten, schau dir jedes Moduldatenblatt genau an und lass dir die Punkte erklären. Jedes Modul hat eigene Vorzüge.

Mechanische Kenngrößen

Das Format gibt Auskunft wie groß das Modul ist. Die Standardmaße sind 1,67 x 1 x 0,035m. Auf dem Moduldatenblatt werden die Maße in Milimetern angegeben. Oftmals ist deshalb neben den Maßen ein Schema des Moduls dargestellt mit weiteren Maßen, diese sind für den Solarteuer wichtig z. B. wo sich der Klemmbereich für die Modulklemmen befindet. Weitere Komponenten sind das Modulglas und die Rückseitenfolie, sowie das Material des Modulrahmens. Damit das Modul nicht zu schwer wird, bestehen die Rahmen aus leichtem Aluminium. Die Zellen in dem Modul musst du nicht auf dem Bild zählen, diese Zahl findest du ebenso auf dem Moduldatenblatt. Die Art der Anschlussdose, Kabel und Steckverbinder sollten mit aufgeführt werden, wichtig sind sie vor allem für die Photovoltaikplaner, damit der richtige Wechselrichter verschalten wird.

Elektrische Kenngrößen

Kommen wir zum entscheidenden Abschnitt auf dem Moduldatenblatt. Die elektrischen Daten sind wichtig für die Wechselricherauslegung und die Ertragsberechnung. Die Nennleistung deines Moduls wird unter Standard-Test-Bedingunen (STC) ermittelt, wenn dein Modul also 250 Watt leisten kann, so wurde es mit einer Einstrahlung (Link) von 1000 W/m² mit einer Zelltemperatur von 25°C und einem Lichtspektrum AM1,5 (=Air Mass. Sonnenstrahlen durchlaufen das 1,5-fache der Atmosphärenhöhe, weil sie schräg auftreffen) gemessen. Diese Testbedingungen gelten weltweit und machen die Module der verschiedenen Hersteller an unterschiedlichen Produktionsstätten weltweit vergleichbar. Neben der Modulleistung wird der Strom und die Spannung unter MPP (Maximum Power Point) angegeben. Leistung ist das Produkt von Strom und Spannung bei einer Nennleistung (MPP) von 250 Watt ergeben sich daraus die Nennspannung und der Nennstrom (MPP). Die Leerlaufspannung ist die Spannung auf der Ausgangsseite, wenn kein Verbraucher angeschlossen ist. Es fließt kein elektrischer Strom. Kurzschlussstrom ist die Umkehrung. Zwischen zwei Klemmen fließt der maximale Strom. Die Spannung ist Null und es herrscht kein Widerstand.

Schlussendlich kommen wir zum Wirkungsgrad. Dieser ist das Verhältnis von der Solarzelle erzeugten Leistung und der Leistung der einfallenden Strahlung. In der Regel liegen die Module bei über 15% Wirkungsgrad. Nun entdeckst du vielleicht noch eine zweite Tabelle mit abweichenden Werten. (NOCT) Die Einstrahlung beträgt 800 W/qm, die Umgebungstemperatur ist 20°C und AM 1,5.

Am Rand möchte ich noch den Temperaturkoeffizienten erwähnen welcher ebenfalls eher für die Auslegung für den Wechselrichter von Bedeutung ist. Dieser gibt an um wieviel Prozent sich die Spannung, Strom und Leistung pro Grad Celsius ändert. Manchmal ist nicht Prozent sondern Volt und Ampere bzw. Watt angegeben.

Systemdaten

Moduldatenblatt5Damit die Module ordnungsgemäß in das gesamte System aus Wechselrichter, Anlagenüberwachung und Netzeinspeisung eingegliedert werden können sind Informationen zur maximalen Systemspannung, Rückstrombelastbarkeit, Wind- und Schneelast, die Schutz- und Brandklasse, sowie die zulässige Modultemperatur im Dauerbetrieb notwendig. 1000V Systemspannung ist die Maximalspannung und bedeutet, dass alle Module in Reiheverschaltung oder pro String bei -40°C niemals die maximale Spannung überschreiten dürfen. Rückströme bedeuten der Strom fließt durch die Zellen in die „falsche Richtung“. Die Zelle als Art Diode sperrt in eine Richtung und gibt in die andere frei, fließt der Strom verkehrt, kann dieser ab einer bestimmten Stärke großen Schaden anrichten und zur Zerstörung der Zelle führen. Damit Schnee und Wind nicht die Module gefährden, sind diese robust und wetterfest konstruiert. Standardmäßig sind 2400 Pa üblich, aber immer mehr Hersteller erhöhen die Belastungsgrenze der Module auf 5400 Pa, sind ungefähr 550 kg/m². Die halten ordentlich was aus oder?

Leistungsgarantie und andere Zertifikate

Moduldatenblatt6Jetzt fällt dir sicher noch ein Diagramm auf dem Datenblatt auf. Bis vor ein paar Jahren war das mit der Leistungsgarantie einfach gehandhabt. 10 oder 12 Jahre auf 90% der ursprünglichen Leistung und 25 Jahr auf 80% der ursprünglichen Leistung wurde garantiert. Nun ist die Garantie linear, das bedeutet, der Hersteller gibt an, wie viel das Modul pro Jahr maximal degradiert, also prozentual an Leistung verliert. Um festzustellen, ob das Modul normal oder stark degradiert solltest du die Erträge regelmäßig kontrollieren. Zum Schluss möchte ich kurz die Zertifikate erwähnen welche dein Wunschmodul hoffentlich besitzen.

Moduldatenblatt7Auf dem Moduldatenblatt findet man sie meist auf der ersten Seite bunt dargestellt oder auf der Rückseite ganz unten. Das Solarmodul sollte VDE-konform, nach IEC61215 und IEC61730 zertifiziert und mit CE-Zeichen ausgestattet sein.
Diese Angaben beziehen sich auf ein Moduldatenblatt welches die DIN EN50380 erfüllt. Sollten Angaben fehlen muss das nicht bedeutet, dass das Modul schlecht ist, aber ein bisschen Skepsis ist erlaubt.

Hast du dir dein Moduldatenblatt genau angesehen? Schaust du drauf oder weißt du eigentlich gar nicht welche Module auf dem Dach sind? Verrate es mir in den Kommentaren.

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Ich stehe mit meinem Blog noch ganz am Anfang und muss noch viel lernen. Deshalb freue ich mich über jedes Feedback. Jeder Kommentar und jede E-Mail wird von mir beantwortet. Fragen, Anregungen, Verbesserungen oder ein nettes Lob, sind bei mir immer sehr willkommen.

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PPS: Das ist keine Werbung für Q Cells Module. Das Datenblatt ist meiner Meinung nach gut geeignet um diesen Post mit Bildern zu bereichern.

Autor: Lydia

Leidenschaftliche Solartechnikerin, die helfen möchte Photovoltaik einfach zu verstehen. Denn energiewenden ist auch auf dem eigenen Hausdach möglich.

4 Kommentare

  1. ber immer mehr Hersteller erhöhen die Belastungsgrenze der Module auf 5400 Pa, sind ungefähr 550 kg/cm². Die halten ordentlich was aus oder?

    5400Pa sind ~550kg/m² nicht cm²!

    • Hallo Martin,
      danke für deinen Kommentar. Ich bin der Meinung ich hätte die Einheit schon einmal angepasst. Vielleicht auch verschlimmbessert.
      Danke für den Hinweis.

      LG Lydia

  2. Hallo Lydia,
    vielen Dank für die Erklärung eines Datenblatt. Da ich kein Elektriker bin, sind für mich die Meisten Details ziemlich unverständlich. Gut dass ich vor der Installation einen Fachmann zu Rate ziehen konnte. Du hast eine schöne Erklärung geliefert, die Laien wirklich weiterhilft.
    Viele Grüße Rainer

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